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Ziel ist es, Stimmung zu erzeugen

Trauer, Entsetzen oder einfach nichts – was empfinden Sie beim Betrachten des Gemäldes "Die Batterie der Toten" aus dem Heeresgeschichtlichen Museum? PsychologInnen um Prof. Helmut Leder (Psychologie der Ästhetik) gehen seit längerem der Frage nach, welche Emotionen Kunst in uns auslösen kann und wieso.

Das uni:view-Magazin widmet diesem Thema einen Beitrag - dorthin gelangen Sie durch Klick auf das Bild! (Foto: Universität Wien).

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Zehn Fragen an: Psychologe Helmut Leder

Warum finden wir Kunst schön? Der Psychologe Helmut Leder hat einen guten Draht zur Kunst. Wäre er nicht Psychologe geworden, wäre er wahrscheinlich Künstler. Das, und warum er gern mit Ernst Gombrich sprechen würde, erzählt er im Interview mit uni:view, veröffentlicht am 11.1.2016.

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Musik, auch für die Augen

Wenn Menschen Musik hören, dann kann man ihre emotionalen Reaktionen von der Pupillengröße der Augen ablesen. WissenschafterInnen der Universitäten Wien und Innsbruck fanden heraus, dass der Grad des emotionalen Gehalts sowie der persönliche Bezug zur Musik mit Veränderungen der Pupillengröße zusammenhängen.

Manuela Marin vom Institut für Psychologische Grundlagenforschung und Forschungsmethoden war an der Studie maßgeblich beteiligt. Berichtet wurde darüber unter anderem in der Wiener Zeitung, der NZZ, auf derstandard.atorf.atkleinezeitung.at,  kurier.at und krone.at.

Link zur Pressemitteilung der Universität Wien.

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APA-Artikel: Kunst im Museum wirkt intensiver und bleibt länger in Erinnerung

Kontext beeinflusst Gedächtnisleistung entscheidend © APA (Neubauer)

Wien (APA) - Der Eintritt in ein Museum zahlt sich aus: Kunst, die dort betrachtet wird, wird als gefälliger und interessanter eingeschätzt und auch länger betrachtet als die gleichen Objekte am Bildschirm. Das haben Wiener Psychologen in zwei Studien gezeigt. Außerdem erinnerten sich Menschen, die Kunstwerke zuerst in einer Ausstellung gesehen hatten, an fast doppelt so viele Bilder.

Die Wissenschafter um David Brieber von der "Cognitive Science Research Platform" der Universität Wien bildeten drei Studentengruppen, die sich Kunstwerke in unterschiedlichen Umgebungen und Abfolgen ansahen. Die erste Gruppe sah die Bilder einer Ausstellung im Wiener Museum auf Abruf (MUSA) zwei Mal im Labor, die zweite Gruppe betrachtete die gleichen Bilder zuerst im Museum und dann im Labor und die dritte in umgekehrter Reihenfolge.

Eine Woche nach der ersten Sichtung - am Bildschirm oder im Museum - wurden die Testpersonen befragt, woran sie sich noch erinnern konnten. Danach sahen sie die Bilder erneut im jeweils anderen Kontext und wurden erneut befragt.

Stärkere Verankerung im Gedächtnis

Unabhängig davon, wo die Werke zuerst betrachtet wurden, schätzten die Teilnehmer die Museums-Bilder durchgehend "als emotional positiver, als anregender, als gefälliger und interessanter ein", sagte Brieber zur APA. Die Personen, die zuerst im Museum waren, konnten sich zusätzlich an ungefähr doppelt so viele Werke erinnern. "Wir haben also eine viel stärkere und bessere Verankerung im Gedächtnis, wenn sie die Bilder im Museum wahrnehmen und erleben, als wenn die Teilnehmer sie einfach nur am Bildschirm sehen'", so Brieber. Opens external link in new windowweiter zum Artikel

Opens external link in new windowORF Opens external link in new windowWiener Zeitung Opens external link in new windowDer Standard



 

Im Flow am Klavier

Manuela Marin, Musikpsychologin an der Universität Wien, hat in Zusammenarbeit mit dem Gehirnforscher Joydeep Bhattacharya, University of London, das Erleben von Flow – das Gefühl des Tätigkeitsrausches – bei KlavierstudentInnen untersucht.

Veränderte Bewusstseinszustände, die während einer Tätigkeit auftreten, sind wissenschaftlich schwer zu untersuchen. So auch das Erleben von Flow, einem Glückszustand, in dem man hochkonzentriert ist, alles um sich herum vergisst und einer Tätigkeit aus innerem Antrieb nachgeht. Dieser Zustand des Einswerdens mit einer Tätigkeit tritt vor allem dann auf, wenn eine Balance zwischen Fähigkeiten und Herausforderungen herrscht.

"Mihály Csíkszentmihályi hat diesen besonderen Zustand schon in den 1960er Jahren bei Malern und Bildhauern beobachtet. Der Grund für die Motivation der Künstler lag primär in der Aktivität an sich. Diese hatte sozusagen ihre Zielsetzung bei sich selbst und wurde als lohnend empfunden. Extrinsische Faktoren wie Ruhm und Geld haben sie meist nicht angetrieben Kunst zu schaffen", erklärt Manuela Marin, die in der Forschungsgruppe von Helmut Leder, Vorstand des Instituts für Psychologische Grundlagenforschung und Forschungsmethoden der Universität Wien, vor allem zum ästhetischen Erleben und Verhalten forscht. weiter zum Artikel


 

Rund ist schön

Casa Batlló in Barcelona (Foto: Simone Lütgert/Pixelio)
(Foto: Privat)

Wie nehmen wir Innenarchitektur wahr? Die Psychologen Helmut Leder und Marcos Nadal von der Universität Wien haben zusammen mit einem internationalen Team untersucht, wie uns die Innenarchitektur beeinflusst: Runde Räume finden wir schöner und ihre Betrachtung verursacht positive Hirnaktivitäten.

AmerikanerInnen verbringen fast 90 Prozent ihrer Zeit in geschlossen Räumen, Europa nähert sich diesem Wert an. Aber wie muss ein Raum gestaltet sein, damit wir uns darin wohl fühlen? "Wir stellten uns die Frage, ob die ästhetischen Prinzipien, die bestimmen, wen, welche Dinge oder Kunstwerke wir ästhetisch ansprechend finden, auch bei der Beurteilung von Architektur eine Rolle spielen oder ob hier andere, eher nützliche Kriterien im Vordergrund stehen. Und natürlich interessiert uns, ob und wie das in der direkten Hirnaktivität ablesbar ist", erklärt Helmut Leder, Vorstand des Instituts für psychologische Grundlagenforschung und Forschungsmethoden der Universität Wien.

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Why Our Brains Love Curvy Architecture

People are far more likely to call a room beautiful when its design is round instead of linear. The reason may be hard-wired into the brain.

People are far more likely to call a room beautiful when its design is round instead of linear. The reason may be hard-wired into the brain.

When the great architect Philip Johnson first visited the Guggenheim Museum in Bilbao, designed by Frank Gehry, he started to cry. "Architecture is not about words. It's about tears," Johnson reportedly said. Something about the museum's majestic curves moved him at an emotional level. Many others must get a similar feeling, because the building is usually ranked among the most important in modern times.

Whether or not Johnson and Gehry realized it, the Bilbao and its swirling façade tapped into a primal human emotional network. Time and again, when people are asked to choose between an object that's linear and one that's curved, they prefer the latter. That goes for watches with circular faces, letters rendered in a curly font, couches with smooth cushions--even dental floss with round packaging.

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Source: www.fastcodesign.com


 

Empfinden für Schönheit bleibt trotz Alzheimer erhalten

Alzheimererkrankungen beeinträchtigen das Gedächtnis dramatisch: Die Kontinuität im Erleben wird beeinträchtigt. PsychologInnen um Helmut Leder von der Universität Wien haben nun aber gezeigt, dass der ästhetische Sinn, also unser Gefallen für schöne Kunst oder Gesichter, auch bei fortgeschrittener Alzheimer-Erkrankung stabil bleibt.

Die Forschungsergebnisse, die in Kooperation mit Dan Graham von den "Hobart and William Smith Colleges" (USA) entstanden sind, erscheinen aktuell im Fachmagazin "Frontiers in Psychology".

Alzheimer ist eine Erkrankung des Gedächtnisses, die sich auf eine Vielzahl kognitiver Fähigkeiten dramatisch auswirkt: Massive Einschränkungen des Gedächtnisses, Verlust von Erinnerungen, aber auch negative Einflüsse auf komplexe Wahrnehmungen. Bis 2050 ist mit 115 Millionen an Alzheimer-Erkrankten weltweit zu rechnen. Angesichts dieser erschreckenden Zahl ist es wichtig, die Krankheit besser zu verstehen, um die Diagnose, besonders aber die Therapie zu optimieren. weiter zum Artikel

 


 

Helmut Leder: "Was schön ist, ist auch gut"

Bild: (c) APA

Der Psychologe Helmut Leder erforscht an der Universität Wien, warum etwas als ästhetisch empfunden wird und welche Rolle Kunst in unserer Gesellschaft spielt.

Ihr Spezialgebiet ist die Erforschung von ästhetischer Wahrnehmung – was genau ist darunter zu verstehen?

Helmut Leder: Wir verfügen über einen rationalen Sinn für die nützlichen Dinge und über einen Gegenspieler, der auf die Empfindungen zielt, auf das emotionale Erfassen. Das Ästhetische ist darin ein ganz wesentlicher Teil. Es ist eine Ausstattung, die uns erlaubt, schnell zu erkennen, was wohltuend ist. Kurz gesagt: Das, was schön ist, ist vermutlich auch gut. Dafür spricht zum Beispiel, dass uns oft gefällt, was uns vertraut ist; denn was uns vertraut ist, schadet vermutlich nicht.

Vertrautheit ist also eine zentrale Voraussetzung für das Empfinden von Schönheit?

Ich möchte es etwas anders formulieren: Vertrautheit ist eine der Hauptzutaten. Das ist ganz plausibel, wenn man die Entwicklung des Menschen bedenkt. Die Welt, wie wir sie kennen, so urban, so artifiziell, ist ja aus Sicht der Evolution gesehen noch sehr jung. Die Welt, in der wir uns lange Zeit entwickelt haben, war eine, in der das Neue oft mit Gefahren einherging. Und tief in uns geht ein Wohltuen auf, wenn wir mit Vertrautem und Bekanntem konfrontiert sind – und das auch suchen.

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Allgemeine Psychologie
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Letzte Änderung: 03.02.2016 - 00:37